Konzertbericht Oberhausen und Solingen

Ich beginne also diesen Text hier zu schreiben. Die Berichte über unsere Konzerte im Ruhrpott. Oberhausen und Solingen. (7. und 9. Februar 2013) Zuvor habe ich alle Erlebnisse und Gedanken, die ich in diesen Text unterbringe strichpunktartig niedergetippt. Da aber 12 Zeilen für den geneigten Leser ein wenig dürftig wären, möchte ich ein wenig genauer vorgehen.

Es geht los an einem Donnerstag. Es ist schon ein gutes Gefühl zu Konzerten zu fahren und eine gute Probenzeit hinter sich zu haben. Die Songs sitzen gut und auch sonst überwiegt die Vorfreude den Zweifeln.

Jedes Konzert beginnt für eine Band mit einer Autofahrt. Dieses mal 4 Stunden lang. Dazu passend wie immer: Mittagessen an der Raststätte und Kaffee aus Automaten. Garniert wird die Reise durch abwechselnden Schlaf und Fetzten eines Hörbuches.

Das Wetter könnte man noch erwähnen. Schneeschauer, untergehende Sonne und eine Kulisse der Industrie bescheren uns einen Moment der unwirklich erscheint. Einen Kodakmoment. Aber ich will hier nicht über das Wetter schreiben.

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Ab dem späten Nachmittag kommen wir also im „Duckluft“ in Oberhausen an. Die Band, die wir für die nächsten zwei Konzerte unterstützen werden – die aus Norwegen stammenden „bushmann‘s revenge“ – sind kurz vor uns eingetroffen. Drei unglaublich freundliche Menschen, die bereits seit 10 Jahren zusammen Musik machen. Was für coole Hunde.

Ausladen und Warten. Warten – das macht man auch sehr oft als Band. Wir lauschen dem Soundcheck der Nordmänner und unterhalten uns mit den Leuten aus dem Haus. Das Druckluft war früher einmal eine Feuerwehr, dann einmal eine Autowerkstatt. Heute ist es eine Konzerthalle und ein Restaurant. So kann es gehen. Ein ansprechender Ort.

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Bemerkenswert war vor allem der Tontechniker. Ein Kerl der schon Nachmittags seine ersten Biere trinkt und auf den ersten Blick einen mürrischen Eindruck macht. Allerdings entpuppte sich dieser Mann als ein Typ, den niemand so schnell aus der Ruhe bringen kann. Ein Profi durch und durch. 12 Jahre Tonmann in einem Haus zu sein, das härtet ab. Gut, dass er da war.

Daher läuft unser Soundcheck auch sehr entspannt ab. Da machen auch ein kaputtes Kabel und die mangelnde Entscheidungsfreude der Band keine Pferde verrückt. So soll das laufen.

Jetzt heißt es wieder warten. Noch ist kein Zuhörer im Raum auch wenn es schon in einer Stunde los gehen soll. Aber das Warten kann man besonders gut überbrücken mit Musikern, mit denen man sich den Backstagebereich teilt. Tolle Leute diese Norweger.

Auch um halb zehn ist die Halle nicht voll. 13 Gäste plus Angestellte. Das bedeutet der Raum ist leer. Doch sind die wenigen Zuhörer die da sind, auch wirklich da. So eine Aufmerksamkeit und so wenig nebensächliches Getuschel kann man sich nur wünschen. Klar wären mehr Leute schön, aber anscheinend ist heute ja Karneval. Das mögen die Ruhrgebietler wohl lieber.

Es ist immer ein bisschen seltsam über das eigene Konzert zu schreiben, wenn es super gelaufen ist. Zu viel Selbstlob schmeckt nicht gut. Dafür haben „prettyinnoise“ – die Veranstalter der Abende – sehr gut gemacht. Danke schön.

Der Tonmann, dessen Name ich leider schon wieder vergessen habe (eine äußerst blöde Angewohnheit von mir), kommt nach unserem Konzert begeistert auf uns zu. Wir haben einen neuen Fan gefunden und weil er einen so geduldvollen und dabei tollen Job gemacht hat bekommt er eine CD von uns geschenkt.

So toll das Konzert und so grandios der Auftritt der nachfolgenden „Bushman‘s revenge“ auch gewesen sein mag – die zahlenden

Gäste blieben leider aus.
Das bedeutet: die Gage für den Abend ist so lächerlich gering, dass ich nicht darüber weiter schreiben möchte. Wie gering, mögt ihr euch fragen: sehr gering. Das muss als Auskunft genügen.

Die Nordmänner sind so nett und nehmen uns in ihrem Auto mit zum Hostel. Das bedeutet die Trinker-Fahrer-Frage hat sich dieses Mal erledigt. Ein verlassenes Hostel mit dem obskuren Thema des deutschen Fussballs. Ein Themenhostel. Lustig für uns, die wir mit Fussball so viel zu tun haben wie mit Nobelhotels.

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Schlafen, Aufstehen, Frühstücken. Dann Einigkeit entstehen lassen, dass heute kein Tag der großen Aktionen sein wird. Wir fahren mit dem Linienbus zu unserem Auto und mit dem Auto zu unserem Hotel. Vier Stunden nach Hamburg zu fahren um morgen vier Stunden nach Soligen zu tuckern wäre auch absurd gewesen.

Wir haben uns in eine unheimlich gemütliche Bleibe gebucht. Die netteste Hausmutter des Ruhrgebietes begrüßt uns und überreicht uns den Schlüssel zu unserem Zimmer. Drei Betten, Bad und eine Glotze. Drei Betten, Bad und eine Glotze. Mehr bringt uns der Tag auch nicht. Drei junge Männer, die keinen Fernseher in ihren Wohnungen haben können sehr gebannt auf einen Bildschirm blicken – und das über viele viele Stunden. Ok, wir haben auch kurz mal raus geschaut und etwas zu Essen zu gesucht. Aber Angesichts der unglaublichen Hässlichkeit des Ortes Oberhausen, hat sich das mit dem Umherwandern schnell erledigt. Leute die hier leben haben mein Mitgefühl verdient.

Abends: Star Wars auf Pro Sieben. Mehr brauchen wir heute nicht um glücklich zu sein. Ein wirklich besonderes Banderlebnis.

Samstag:
Um wenigstens ein bisschen von der Gegend zu sehen, besichtigen wir noch das, was Oberhausen zu bieten hat. Das ist – wir glaubten es auch nicht – Europas größtes Einkaufszentrum das Centr0 . Mit „null“ geschrieben. Ganz groß. Ja ja.
Wir müssen weiter. Besser: wir wollen weiter. Nach Solingen. Ein interessanter Ort wenn man auf noch mehr Industriegebiete und noch mehr Einkaufszonen steht. Da scheint unserer heutige Auftrittsort eine kleine Oase zu sein.

Das Waldmeister ist kein Club im eigentlichen Sinn wie man uns später, ungefragt aber freundlich erzählt, sondern vielmehr ein Kulturverein der das, auf was er Bock hat, veranstaltet. Im Laufe der kommenden 24 Stunden dürfen wir uns noch viele Pläne und Geschichten anhören, was an diesem Ort schon tolles gelaufen ist.

Der Begriff DIY fällt stündlich. DIY ist eben alles an diesem Ort. Hier wird alles selber gemacht. Oder eben nicht. Die Unterbringung findet in einem Kabuff neben dem Backstagebereich statt. Das Catering übernimmt der Veranstalter. (das war aber äußerst lecker!) Gemischt wird ebenfalls ehrenamtlich. Sieht gut aus, hört sich gut an. Wir sind gespannt was der Abend bringt.

Das Konzert: Gut läuft es. Entspannt. Diese Zuhörer, die zwar wieder nicht busseweise gekommen sind, aber genauso aufmerksam sind wie vorgestern, tragen dazu nicht wenig bei. Nach unserem Konzert sind wieder die Profis an der Reihe.
Was für ein Konzert. Bushman‘s revenge in Solingen. Ich selber stehe bei den Leuten und freue mich über solch großartige Momente wie sie nur unverhofft uns nur selten geschehen. Ab und zu muss ich vor Freude lachen.

Bushmann‘s haben uns, ohne es zu wollen, in den Boden gespielt. Ich kann darüber nicht einmal traurig oder enttäuscht sein, denn das was ich gerade gesehen, hat mich wieder daran erinnert warum ich selber Musik machen möchte. Auch die Leute haben einfach vergessen, dass wir vorher auch noch da waren.

Was kommt danach? Ein Abend mit sportlichen Getränken, eine Nacht in klapprigen Betten, in der ich unheimlich fror und eine Bahnfahrt die durch Karnevalisten gestört wurde. Das mit dem Karneval werde ich niemals begreifen können.

Wir sind uns selber noch nicht sicher, was wir von dem ganzen zu halten haben. Finanziell war das ganze ein gemeines Minusgeschäft. Wir können uns auch vorstellen warum das so war und möchten dabei niemanden beschuldigen. Die Abende die wir hatten waren großartig. Schön waren sie und sinnvoll. Hat es sich gelohnt? Finanziell nicht – sonst? Auf alle Fälle.
Bis bald du hässliche Gegend

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Bilder gibts auch hier halt

2 Gedanken zu „Konzertbericht Oberhausen und Solingen

  1. Schönes Tagebuch. Allerdings waren die Jungs von Pretty in Noise nur die Veranstalter in Solingen. Oberhausen wurde nur vom Magazin präsentiert. Wie auch immer, ist ja eigentlich Wurscht. Ich hoffe man sieht sich nochmal. Gruß Marc.

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